Zum zehnjährigen Jubiläum der Mobilen Opferberatung erklären der Landesvorsitzende Matthias Höhn und der Fraktionsvorsitzende Wulf Gallert:
„Seit 2001 arbeitet in Sachsen-Anhalt die Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt beim Miteinander e.V. - zu zehn Jahren Engagement übermitteln wir Ihnen unseren Dank und unsere Anerkennung. Die aufsuchende Beratungsarbeit des Vereins hilft Betroffenen von rassistischer, rechter und antisemitischer Gewalt, sie macht gesellschaftliche Realitäten sichtbar, die in der Regel wenig wahr- und ernst genommen werden. Obwohl Alltagsphänomen, sind Häufigkeit und Besonderheit rechter Übergriffe verweigertes Alltagswissen. Sie treffen oft Menschen, die generell im gesellschaftlichen Abseits stehen.
Rechte Gewalt betrifft den Einzelnen nicht nur individuell, sondern meist auch als Teil einer Minderheit. Für viele Flüchtlinge und Migranten, Wohnungslose und sozial Benachteiligte, alternative Jugendliche und Erwachsene, Schwule und Lesben sind Gewalterfahrungen die Spitze des Eisberges aus alltäglichen Diskriminierungen. Die Täterinnen und Täter wollen nicht nur das konkrete Opfer treffen, sondern generell signalisieren, wer nicht in ihr Weltbild passt.
Die Mobile Beratung hilft deshalb nicht nur dem Einzelnen, sie sendet mit ihrer Arbeit auch die Gegenbotschaften: Solidarität, Unteilbarkeit von Menschenwürde und Ächtung der Tat. Den Betroffenen sagt jedes Beratungsgespräch, jede juristische Unterstützung, jeder Helfende und Zeuge: Ihr seid nicht allein!
Die Arbeit der Mobilen Beratung und des Vereins Miteinander ist damit auch immer gesellschaftliche Positionierung gegen Ausgrenzung und Rassismus. Dazu gehört von Beginn an die bemerkenswerte Öffentlichkeitsarbeit zur Situation von Flüchtlingen und anderen Minderheiten, die Sensibilisierung und Vernetzung von demokratischen Akteuren sowie die Unterstützung alternativer Jugend- und Vereinskultur durch das Projekt.
Wer dieses Engagement unter die Bedingung der Gesinnungsprüfung stellt, wie dies zur Zeit durch die „Extremismusklausel“ in den Bundesprogrammen der Fall ist, hat nichts von den Zuständen und Gegebenheiten dieser Arbeit begriffen.
Die professionelle Beratungsarbeit muss auskömmlich finanziert werden. Das im Koalitionsvertrag der Landesregierung angekündigte Landesprogramm gegen Rechtsextremismus muss in Kooperation mit den Trägern des Beratungsnetzwerkes konzipiert und umgesetzt werden. Wir brauchen weiter und noch mehr Gegenbotschaften!“
Magdeburg, 20. Oktober 2011
Matthias Höhn
Landesvorsitzender
Wulf Gallert
Fraktionsvorsitzender