Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Demokratie braucht demokratische Erziehung

Ergebnisse der Arbeitsgruppe III des 1. Parlamentariertages der Partei DIE LINKE.

 

Die Diskussion in der Arbeitsgruppe durchzog eine Debatte um den Begriff der demokratischen Erziehung. Dabei wurde deutlich gemacht, dass dieser Begriff vor Jahrzehnten im Westen Deutschlands als Entgegensetzung zu einem autoritären Erziehungsverständnis entwickelt wurde, während im Osten immer die Einheit von Bildung und Erziehung betont wurde.

Einig war man sich schnell, dass es uns um ein in Inhalt und Form emanzipatorisches Verständnis von Bildungs- und Lernprozessen gehen muss, dass Lernende als Subjekte begreift, die sich die Welt in der sie leben selbständig und selbstbewusst erschließen, denen der Zugang zu Wissen nicht durch irgendwie geartete Bildungsschranken verstellt werden darf, denen umfassende Teilhabe ermöglicht werden muss. Ziel solchen Lernens muss es sein, die Welt in der wir leben erkennen und umgestalten zu können.

Der Erziehungsbegriff, der einen hierarchischen und autoritären Aspekt schon im Wort und auch in der gesellschaftlichen Praxis impliziert, ist ungeeignet, diesen qualitativen Anspruch zu transportieren, deshalb wollen wir auf ihn verzichten, wenn wir unseren Anspruch beschreiben, und sprechen darum besser von umfassender Bildung und von Lernen.

Dabei haben wir nicht nur das institutionelle Lernen in Bildungseinrichtungen unterschiedlicher Bildungsbereiche im Blick, sondern alle Formen gesellschaftlichen Wirkens, in denen sich individuelles und gemeinschaftliches Lernen vollzieht.

Innerhalb des Bildungssystems geht es immer um altersgerechte Bildungs- und Teilhabemöglichkeiten.

Daraus ergeben sich folgende Vorschläge und Handlungsfelder:

1. Wir brauchen ein alle Kinder und Jugendlichen einschließendes und förderndes, also inklusives, Bildungssystem, in dem alle möglichst lange gemeinsam in einer Gemeinschaftsschule lernen und individuell gefördert werden.

Die Gemeinschaftsschule ist eine grundlegende Voraussetzung für demokratische Lernprozesse. Sie geht davon aus, dass Lernen in Inhalt und Form demokratisiert werden muss, dass gemeinschaftliches mit- und voneinander Lernen demokratischer und letztlich gesellschaftlich und für Lernende selbst am Ende erfolgreicher ist.

2. Wir brauchen die Entwicklung, das heißt die Nutzung vorhandener und den Ausbau und die Entwicklung weiterer demokratischer Möglichkeiten der Mitwirkung, Mitbestimmung und Selbstbestimmung über Lernprozesse. Lernprozesse müssen selbst demokratisch organisiert sein.

3. Bildungseinrichtungen und Institutionen, in denen gelernt wird, müssen selbst zu Handlungsfeldern gelebter Demokratie werden.

Das heißt auch, dass über Inhalte und Formen des Lernens in ihnen, über das Was und das Wie gelernt wird, zunehmend mehr demokratisch entschieden werden muss. Das erfordert auch ein Umdenken auch bei uns selbst.

4. Die Lehrenden müssen anders ausgebildet werden. Das Leitbild der Ausbildung von Pädagoginnen und Pädagogen, das schließt alle beruflich pädagogisch Tätigen ein, muss sich an den Erfordernissen demokratischer Bildung ausrichten.

5. Wir brauchen vielfältige Lernangebote für alle Bevölkerungsgruppen, die demokratische Partizipation zum Ziel haben und selbst schaffen.

Das alles gilt von der Kita über Schule, Ausbildung, Hochschule und in der Weiterbildung wie auch in vielfältigen Formen des Lernens in Politik und Gesellschaft.

Wir haben festgestellt, dass wir ein ausgesprochen schwieriges Thema gestellt bekommen haben, das in seinen Konsequenzen weiter und tiefer diskutiert werden muss, auch weil der Ausgangspunkt der notwendigen Veränderungen ein zutiefst hierarchisch strukturiertes, in der Gesellschaft teilweise akzeptiertes und verteidigtes, von Ausgrenzung geprägtes Bildungsverständnis und Bildungssystem auf allen Ebenen ist, das auf die Einpassung der Lernenden in bestehende Gesellschaftsstrukturen und gesellschaftliche Hierarchien gerichtet ist, die überwunden werden müssen. Hier schließt sich der Kreis zu anderen Bereichen demokratischer Entwicklung und Partizipation in Wirtschaft und Politik überhaupt.